OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Deutschland braucht Wasser-Management. Wir müssen uns mehr und aktiver um die Verfügbarkeit von Wasser, sowohl Trinkwasser, als auch Brauchwasser kümmern. Es genügt nicht, einfach nur zuzuschauen, wie der noch häufig fallende Regen möglichst schnell und sicher wieder zurück ins Meer fließt.

Ich hatte diesen Punkt schon lange in meinem persönlichen Wahlprogramm, aber er findet wenig Beachtung. Erst durch starke Niederfälle und deren Schäden, als auch durch steigende Wasserpreise, bekommt die Frage 2021 etwas Aufmerksamkeit.

Zu viel, als auch zu wenig Wasser, waren für die Menschheit schon immer eine Herausforderung. Wasser über weite Strecken befördern zu können und Wasser zu speichern, wenn es genug gab, um es dann in trockenen Perioden zum Überleben zu haben, hatten aber früher eine größere Bedeutung als heute.

Trinkwasser so zu verteilen, dass es überall genug gibt, dabei wenig verloren oder verschmutzt wird oder verbrauchtes Wasser durch Kläranlagen zu recyclen, das alles hatte einen akzeptablen Stand. Dieser muss aber ständig überwacht und auch repariert werden.

Wasser ist zum Glück heute überwiegend noch immer ein Öffentliches Gut. Und ich hoffe sehr, das bleibt es auch. Aber die Gefahr, dass es sowohl kommerzialisiert wird, als dass es auch Kriege um sauberes Wasser geben wird, ist groß.

Wasser ist die Vorbedingung für jede Art von Leben. Sauberes Wasser ist die Grundlage der Hygiene und es zu erhalten ist kritisch für unsere Gesundheit. Aber Wasser ist auch ein wesentliches Element unseres seelischen Wohlbefindens.

Ich habe deshalb meinem persönlichen Bezug dazu hier etwas mehr Raum gegeben.

Kindheitserinnerungen an Wasser

Meine frühe Kindheit verbrachte ich in einer eher wasserarmen Gegend. Ein Stadtteil von Linz, genannt „Neue Heimat“. Es gab zwar die Traun in der Nähe und auch einige Mühlbäche, aber sie waren gefährlich und für uns kleine Kinder ohne Aufsicht unerreichbar.

Meine frühesten Erinnerungen an Wasser waren Bombentrichter, die auch etwas Wasser gespeichert haben und Schottergruben, die man bis zum Grundwasser ausgehoben hat. Ein Löschteich war auch noch nahe, aber da es dort immer wieder zu Unfällen kam, wurde er zugeschüttet. Es gab also wenig Gelegenheit, mit dem Wasser Freundschaft zu schließen.

Von der Schule aus gab es Versuche, in einem der Mühlbäche Schwimmen zu lernen. Leider waren dort zu viele Blutegel angesiedelt. Sie waren zwar ungefährlich, aber echt unangenehm. Mit einem Wort, ich habe als kleines Kind nicht sicher schwimmen gelernt. Mein jüngerer Bruder hatte es besser. Er bekam direkt vor der Haustür ein Kinderfreibad.

Alles hat sich geändert, als ich alt genug zum Rad fahren war und wir einen großen Baggersee (dem Pichlinger See) etwa 10 km weit weg erreichen konnten. An diesem „See“ konnte man richtig schwimmen, es gab auch keine gefährlichen Strömungen oder Wellen. Trotzdem wäre ich dort beinahe ertrunken, weil mich so ein Idiot (der bis dahin mein Freund war) völlig überraschend von der Luftmatratze gestoßen hat.

Mit 16 Jahren habe ich mich in eine Schulkollegin verliebt, die in Wilhering an der Donau gewohnt hat, und ich habe sie so oft ich konnte, besucht. Natürlich waren wir auch in der Donau schwimmen und ich hab zum ersten Mal gespürt, wie anders es ist, in einem Fluss zu schwimmen, als in einem stehenden Gewässer. Wir sind natürlich immer nur flussabwärts geschwommen und dann zu Fuß zurückgekehrt.

Die Donau war für mich auch das erste und gute Beispiel für einen wichtigen Wasser - Verkehrsweg. Transport auf dem Wasser ist oft am billigsten.

Reichenstein

Als Kind war ich einige Sommer bei Verwandten in diesem kleinen Ort im Mühlviertel (einem Teil von Tragwein) und dort habe ich eine ganz andere Beziehung zum Wasser bekommen. Das Haus lag direkt an der Waldaist, das Brauchwasser kam auch aus dem Fluss. Das Trinkwasser wurde in Kannen aus einer nahen Quelle geschöpft.

Zum ersten Mal habe ich einen Fluss als Lebensraum wahrgenommen. Es gab Muscheln, Krebse, jede Menge Fische (Bachforelle, Bachsaibling, Äsche und Regenbogenforelle). Unheimlich viele Schmetterlinge am Ufer, die hatten es mir seinerzeit besonders angetan.

Etwas flussaufwärts gab es ein kleines Kraftwerk. Beim zugehörigen Stauwehr habe ich mit Freunden Schwimmen geübt. Der Strom von dort war auch die Energiequelle im Ort und bei Gewitter hat sie oft versagt.

Ebenfalls in Erinnerung ist mir der Fischteich unterhalb der Burgruine geblieben (der immer noch existiert). Auch hier wurde Wasser zum Lebensraum.

Grado

Da die Bahnfahrt für uns extrem billig war, bin ich schon als Jugendlicher an die Adria gekommen. Seitdem denke ich oft an den Spruch „Wer das Meer kennt, denkt anders über die Flüsse“. Wir haben fast immer an der Costa Azurra in Fischerhäusern gewohnt und mir hat dort alles gut gefallen.

Der Strand, der Hafen, die Ausflugsfahrten mit dem Schiff nach Venedig und nach Triest. Meine Liebe zum Meer (und auch zu Italien) ist in Grado entstanden.

Ich bin dann später, als junger Vater, mit unseren beiden Töchtern mit dem Auto auch einmal in Grado gewesen. Aber der Charme der Jugend war am großen Strand verloren gegangen.

Wien

Die Schulkollegin (und spätere Ehefrau) und ich haben dann in Wien studiert und Wien hat wirklich reichlich Wasser. Erstens, die vielen öffentlichen Bäder (sowohl im Freien, wie auch in Hallen) und dann natürlich die Wasserflächen und Strände entlang der Donau (z.B. Alte Donau).

Donau und Alte Donau in Wien

Donau und Alte Donau in Wien

Für uns war das paradiesisch. Vor allem konnten wir uns das Vergnügen auch leisten, alles war preiswert. In Wien habe ich aber dann auch (wie vorher schon in Linz) die Gefahren des Hochwassers und die Abwehr dagegen in großem Stil erlebt.

Auch, dass Brücken einstürzen können, war neu für mich. Besonders so eine massive Stahlbrücke, wie die Reichsbrücke. Am Sonntag, dem 1. August 1976, stürzte die Reichsbrücke zwischen 4:53 Uhr und 4:55 Uhr auf beinahe voller Länge der Strombrücke ins Wasser. Wie durch ein Wunder gab es nur einen Toten.

Das Leben in Wien hat meine Ansichten über Großstädte geprägt. Erstens, dass sie sehr viel gutes Trinkwasser brauchen. In Wien kommt es bis heute aus den Alpen. Zweitens, dass Städte ein aufwändiges Kanalisationssystem brauchen. Und drittens aber auch, dass Wasser ein wesentliches Element für Gesundheit, Hygiene, Freude und Lebensqualität ist.

In Wien habe ich auch das Rudern gelernt und wie man sich auf einem Boot verhält. Stehen nur in der Mitte, nicht schaukeln, man muss schwimmen können und auch eine Schwimmweste macht Sinn. An nahen Teichen, wie zum Beispiel in Laxenburg, waren wir neben der Alten Donau auch oft zum Boot fahren.

In Wien habe ich auch die Flussschifffahrt besser kennengelernt. Es gab sie schon in Linz, aber dort habe ich sie kaum selbst benutzt. Der Zug war praktischer. Es gab eine Werft in Korneuburg (vor den Toren Wiens) und habe als Schüler ernsthaft überlegt, doch Schiffsbau zu studieren. 1991 wurde die Werft dann endgültig geschlossen worden und es war klug, auf die erst entstehende Informatik zu setzen.

Twin City Liner

Mit dem TwinCity Liner Schiff in 75 Minuten in Bratislava

Ich hatte selbst sehr gerne Schiffe gebastelt. Optimal waren Schiffe aus Papierkarton, die dann durch Lackieren wasserfest gemacht wurden. Das kleine Planschbecken vor unserm Haus hat dazu eingeladen. Es existiert auch heute noch.

Pörtschach am Wörthersee

Nach Studienende und mit wachsendem Wohlstand konnte ich mir auch einmal einen Segelkurs dort leisten. Es war eine gute Lage, keine extremen Winde, wie zum Beispiel am Attersee. Ich habe das Segeln gut gelernt und es später oft ausüben können.

Mit den Kindern als Passagiere war ich an der alten Donau oder mit den größeren Kindern als Segler am Mondsee. Mit dem Segeln ist es wie mit dem Rad fahren, man verlernt es kaum. Es gibt zwar überall lokale Besonderheiten, wie zum Beispiel am flachen Neusiedlersee, wo ich auch oft war. Aber den Wind zu lesen und aufs Wetter zu achten, ist überall ähnlich.

Ein unerfreuliche Überraschung habe ich aber dann in den USA erlebt. Im Long Island Sound, der Lagune zwischen der Insel und dem Festland, bestimmen vor allem Ebbe und Flut und deren Strömungen das Geschehen. Ein deutscher Freund und ich waren mit unserer Jolle da chancenlos. Passiert ist nichts, aber wir wurden bei jeder Regatta letzte.

Das eigene Boot

Es war so ähnlich wie heute ein Sevylor Schlauchboot Supercaravelle. Für uns erschwinglich und erstaunlich robust. Ich habe es über viele Jahre verwendet und danach verschenkt. Die Original Ruder (Alu Rohre) habe ich gegen bequemere Holzruder ausgetauscht und einen komfortablen Blasebalg, mit dem man auch die Luft leicht wieder absaugen kann, auch dazu gekauft.

Ich habe es auch auf großen Seen (Bodensee) und sogar in Lagunen eingesetzt, was vielleicht unvorsichtig war, denn solche Boote treiben im Wind leicht ab.

Die Hauptanwendung aber waren Flussfahrten. Neckar, die Junge Donau, Lauter zum Beispiel. Es waren schöne Erlebnisse, vor allem auch für Kinder. Vom Fluss erlebt man die Natur anders.

Wenn wir nicht als kleine Gruppe mit mehreren Autos unterwegs, sondern auf uns alleine gestellt waren, hat ein Klapprad gute Dienste geleistet. Klapprad am Ziel abstellen, mit Auto und Boot zur Einstiegsstelle und danach zurück mit dem Klapprad, das Auto wieder abgeholt.

Inzwischen gibt es an fast allen geeigneten Stellen Bootsverleihe, dann sind solche Logistik Fragen irrelevant. In den USA sind wir im Delaware Water Gap zu zweit mit einem Canoe gefahren. Ein wunderbares Erlebnis.

Ich bin in unseren Gewässern oft die gleiche Route gefahren, dann kennt man auch schon die schönen Plätze für die Pausen. Da der Fluss das Boot treibt, muss man sich nur aufs Lenken konzentrieren. Es geht am einfachsten, wenn man das Boot quer zur Flussrichtung stellt. Hat man ein leichtes Schlauchboot, dann sind auch Stellen wie die Donauversickerung kein Problem. Man trägt das Boot einfach oder lässt es treideln.

Whitewater Rafting habe ich nie ausprobiert, war mir erstens zu teuer und auch zu riskant. Das kann man besser und sicherer im Vergnügungspark.

Wasserspeicher

Unsere Seen sind als Süßwasserspeicher am sichtbarsten. Dazu gehören auch die Stauseen, ein Nebenprodukt der Energiegewinnung mit Wasser und der Binnenschifffahrt. Weniger sichtbar, aber auch sehr wirksam, sind Auen, Moore und Sümpfe. Da Sümpfe bei Hitze auch Herde schlimmer Krankheiten (wie Malaria) waren, wurden viele trocken gelegt. Hochmoore, die im Winter zufrieren, aber haben überlebt.

Weniger deutlich sichtbar sind unsere Wälder. Der Mensch hat einerseits mit Nadelholz - Monokulturen deren Speicherkapazität stark reduziert, aber anderseits durch künstliche Teiche oder kleine Seen zum Flößen, sie auch erhöht.

Ich war viel in Wäldern unterwegs und habe mir mehr kleinere Wasserspeicher, wie Tümpel oder auch nur Mulden gewünscht. Sie sind enorm wichtig für die Tierwelt (Fauna). Die Bombentrichter aus meiner Kindheitserinnerung wären ein Vorbild, wie man künstlich die Speicher schaffen kann. Einfach auf einer ebenen Fläche ein Grube graben oder auch sprengen und eventuell mit Lehm auskleiden. Oder an der richtigen Stelle mit einem kleinen Erdwall Wasser zurückhalten. Relativ schnell bildet sich dann ein Mikrokosmos.

Seit Menschengedenken waren Terrassen eine Möglichkeit, Niederschläge länger zu speichern.

Ein Modell flexibler Wasserspeicher bezeichnet man heute als „Schwämme“. Ein Schwamm kann schnell große Mengen Wasser aufnehmen und es dann langsam wieder abgeben. Das Konzept ist vor allem in zubetonierten Flächen von Städten notwendig. Schwammstädte mit großen lokalen Wasserreserven haben viele Vorteile. Übrigens ein geschützter Name aus Berlin.

Im wasserarmen Gegenden Deutschlands waren früher Buckeläcker üblich. Sie haben den schnellen Abfluss von Regen verhindert und Feuchtigkeit auch nach längerer Trockenheit gespeichert. Auch Bogenäcker waren häufig, wie man immer noch aus den Straßennamen ablesen kann. Da wurden die Ackerfurchen immer auf gleicher Höhe gezogen und man hat so verhindert, dass Ackererde weggeschwemmt wird. Eine Art Terrassierung im Kleinformat.

Brunnen und Zisternen gab es überall. Heute sorgen die Wasserspeicher auf Höhen oder Wassertürme nur dafür, dass im Leitungsnetz überall gleicher Wasserdruck herrscht. Aber als Wasserspeicher für längere Zeiten sind sie zu klein ausgelegt.

Ein guter Indikator für gutes Wassermanagement ist das Grundwasser. Und es nicht zu vergiften, ist eine wichtige Aufgabe. Ich versuche dies manchen Rauchern zu erklären, wenn sie achtlos Zigarettenkippen auf den Boden werfen. Leider ernte ich bisher in Deutschland dafür nur Unverständnis. Es ist offenbar kein Thema in der Schule. Ich habe noch gelernt, wie man sie richtig entsorgt, nämlich im eigenen Aschenbecher (und dann Restmüll).

Wasser als Getränk

Wo es frisches und sauberes Wasser gibt, ist Wasser auch das beliebteste Getränk. Ich kaufe schon lange nur wenig Wasser im Supermarkt. Mein täglicher Trinkwasserbedarf kommt fast ausschließlich aus der Wasserleitung. Und die bekommt das Wasser überwiegend aus dem Bodensee.

Wo die Qualität zweifelhaft ist, muss man das Wasser abkochen. Ein Glas heißes Wasser als Getränk ist in Deutschland leider unbekannt. Ich trinke es jeden Morgen zum Frühstück. Kaffee gibt es erst dann am Nachmittag.

Globales Wasser

Es gibt genügend davon. Mein Globus zeigt es mir klar. Und auch die Beobachtung der globalen Schiffsrouten bestätigt es. Aber es ist Salzwasser und es wird zunehmend verunreinigt. Mikroplastik ist schon heute ein Problem, genau so wie der Müll aus Flüssen, die ins Meer fließen.

Als Besucher von Malta habe ich mir früher die Entsalzuung dort genauer angeschaut. Mit genügend Energie kann man schnell und einfach akzeptables Trinkwasser produzieren.

Aber die natürliche Gewinnung von Trinkwasser aus Salzwasser durch Verdunsten und Regen ist viel besser. Es gibt nun einige Regionen, wo Binnengewässern zunehmend austrocknen. Es war schon immer eine (wahrscheinlich auch dumme) Lieblingsidee von mir, diese mit Meerwasser wieder aufzufüllen. Relativ leicht durch die Nähe zu Meeren könnte man dies im Toten Meer machen.

Schwieriger, aber auch nicht unmöglich, wäre der Aralsee, der schon stark ausgetrocknet ist.

Angeregt durch das Wassernetz in Marokko, träume ich noch immer von Wassernetzen, die automatisch das Wasser verteilen. Sie bestehen aus solar betrieben Pumpstationen, die durch Rohre verbunden werden. Sie sind so ähnlich strukturiert wie das Internet, nur dass statt Informationen kostbares Nass verteilt und an manchen Stellen auch gespeichert wird.

Ausblick

Wie verändern nur das, was wir kennen und worüber wir auch genug wissen. Es macht also durchaus Sinn, die Erinnerung der Kindheit mit den Freuden des Wassers als Motivation zum Schutz des Wassers heranzuziehen.

Ich bin optimistisch, dass der Klimawandel mit der Gefahr der ansteigenden Meere und den zunehmenden Wetterextremen dazu führen wird, mehr über Wasser zu forschen und zu lehren. Wasserschutz, Wasserspeicherung, Kanalisation, Wasserverteilung, Wasserreinigung, Entsalzung sind alles Ingenieurberufe mit Zukunft. Packen wir es jetzt an!

Blume

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