OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Ein Test, der Sokrates zugeschrieben wird, lautet kurz zusammengefasst:

Gib eine Nachricht nur weiter, wenn sie durch die drei Siebe passt

  1. Wahr

  2. Gut

  3. Notwendig

Ich stelle diese 3 Siebe nicht in Frage, aber sie sind nicht leicht anzuwenden. Was heißt schon "wahr" in einer komplexen Welt und auch wenn gute Nachrichten erfreulich sind, es müssen auch schlechte Nachrichten transportiert werden.

Aber ohne Nachrichtensiebe geht es für mich nicht, wollen wir nicht von Information überschwemmt werden. Wer sich an dem Wort SIEB stört, man kann dazu genau so gut auch FILTER sagen.

Meine Nachrichtensiebe sind sehr viel einfacher und sie sind im wesentlich das dritte Sieb von Sokrates (Notwendigkeit). Sie lauten kurz:

  1. Betrifft es mich?

  2. Wenn ja, kann ich es verändern?

Nur wenn die erste Bedingung erfüllt sind, versuche ich die Nachricht aufzunehmen. Und trifft auch die zweite Bedingung zu, dann wird der Aufforderungsaspekt der Nachricht wichtig, andernfalls muss ich sie eben ertragen, ohne was tun zu können.

Ich will nun etwas feiner den Punkt "Betrifft es mich" analysieren. Spontan würde doch jeder sagen: Das kann ich ganz leicht entscheiden! Aber, war die Nachricht so klar, dass ich sie wirklich verstanden habe, habe ich auch alle Nebenwirkungen verstanden, sind mir die Zukunftsfolgen klar?

Es gibt auch immer Verkäufer und andere Verführer, die mir einreden wollen, das betrifft mich, aber in Wirklichkeit wollen sie nur Unterstützung für ihre eigenen Interessen. Wir lassen uns auch von Hypes und Hysterie anstecken, so nach dem Motto: Wenn die anderen das für wichtig halten, dann muss es auch für mich wichtig sein.

In den meisten dieser Fälle hilft es, die Quelle der Nachricht zu analysieren und ihre Vertrauenswürdigkeit zu prüfen. Was im Einzelfall schwierig erscheint, wird leicht, wenn man nur genügend Zeit hat, die Geschichte von vielen Nachrichten zu verfolgen. Hat man ein gutes Gedächtnis, dann kann man leicht entscheiden, wer zu oft gelogen, manipuliert, verkauft, übertrieben hat, oder wer kompetent ist und sich zumindest bemüht hat, mich zu informieren und mir eine gute Basis für meine Entscheidungen zu liefern.

Alte Menschen, mit einem noch guten Gedächtnis, werden so zu einem guten Filter, das den ganzen Informationsschmutz zurück halten kann. Ihnen höre ich gerne zu, wenn sie Nachrichten beurteilen und ihnen glaube ich auch, wenn sie sagen: Das betrifft dich und ist wichtig für dich oder das kannst du getrost wieder vergessen.

Besonders schätze ich ihre Meinung, wenn sie genügend Vermögen haben, um nicht mehr auf einflussnehmende Geldgeber angewiesen zu sein und wenn sie keine Ämter oder Funktionen mehr haben, wo sie eine Rolle oder Position verteidigen müssen. Und es ist auch sehr angenehm, wenn sie genügend Erfolge in ihrem Leben hatten, so dass sie selbstsicher genug sind, ohne großes Ego agieren können und auch kein Interesse mehr daran haben, mich zu verändern.

Ich habe im Laufe meines Leben viele davon kennen gelernt und auch viel von ihrer Klugheit profitiert. Meine Mutter gehört dazu, viele Lehrer, vor allem an den Hochschulen, waren dabei und auch gute Chefs und Kollegen, die über den Tellerrand blicken konnten. Da sie oft wenig Medien Appeal haben, trifft man sie in den Medien (außer in Büchern) nur selten an, und wenn, dann sind es immer die gleichen Darsteller.

Aber es braucht ja nicht immer die etablierten Medien, um sich beraten und informieren zu lassen. Gesprächskreise erfüllen oft viel besser den Zweck und mit den Sozialen Netzen im Web kann man sie auch praktisch und ohne großen Aufwand nutzen.


Nachtrag 2016

Die Nachrichtenflut hat sich weiterhin stark gesteigert. Inzwischen stellt sich nicht nur die Frage, was ich weitergeben möchte, sondern immer mehr, was soll mich denn überhaupt erreichen.

Ich finde daher drei neue Siebe praktischer. Sie unterscheiden sich aber wenig von den früheren. Der Hauptunterschied liegt in der zusätzlichen Frage: Ist es denn tatsächlich neu?

Meine Beurteilung von Nachrichten:

  1. Ist es neu?

    • Ja, sehr, eine echte Überraschung
    • Nicht wirklich, es war so zu erwarten
    • Nein, alter Hut, frisch verpackt
  2. Ist es glaubwürdig?

    • Ja, sehr
    • Vielleicht
    • Nein, alles Lüge
  3. Ist es wichtig für mich ?

    • Ja, sehr
    • Vielleicht
    • Nein, bedeutungslos für mich

Nur wenn alle drei Fragen entweder positiv oder zumindest neutral beantwortet werden können, dann registriere ich die Nachricht bewusst und ihre Quelle wird weiterhin akzeptiert. Ansonsten wird sie ignoriert und ich nutze in der Zukunft die Möglichkeiten zur Blockierung. Damit hat sich meine Übersicht schnell verbessert.


Nachtrag 2020

Nachdem manche Nachrichten immer mehr als Waffe eingesetzt werden, wurde ein Aspekt wichtiger, den ich früher ignoriert habe. Nämlich den der Verantwortung. Jede Art von Freiheit benötigt diese Verantwortung. So auch die Pressefreiheit.

Verantwortung bedeutet vor allem, darauf zu achten, ob ein Schaden eintritt. Also die Herausgeber eines Mediums achten auch darauf, ob und welcher Schaden verursacht wird. Dies wurde in manchen Bereichen schon lange beachtet, zum Beispiel beim Berichten über Selbstmorde. Und es hat sich auch als sehr sinnvoll erwiesen.

Also, auch wenn alle anderen Faktoren stimmen, bleibt immer noch die Frage: Ist der Schaden größer als der Nutzen damit? Wenn ja, dann besser nicht veröffentlichen oder weiterleiten.

Mir ist klar, dass dies nicht immer leicht zu entscheiden ist. Aber dennoch sollte man diese Frage nicht ignorieren: Kann ich die Folgen verantworten? Und wenn nein, dann besser auf die Meldung verzichten, auch wenn es schwer fällt und die Versuchung groß ist.


Wie schwierig es ist, möglichen Schaden vorauszusehen und zu vermeiden, haben die USA 2020 mit Präsident Trump gezeigt. Gegen seine Lügen und Fehlentscheidungen hat der Journalismus bisher kein Rezept gefunden. Die klassische Methode der Presse, Lügen zu beweisen und den Lügner anzuprangern, hat sich nach dem gescheiterten Impeachment als wirkungslos erwiesen. Er kann sicher sein, dass ihm bis zur Wahl im November nichts passiert und ihm seine Anhänger treu bleiben, weil sie seine Lügen lieber hören wollen, als die Fakten zu sehen. Auch die vielen Corona Toten werden daran nichts ändern. Die Schuldigen daran wurden schnell gefunden.

Hätten die Demokraten einen attraktiven Gegenkandidaten aufgestellt, wäre eine Fokussierung auf diesen eine gute Methode geworden, Trump auszutrocknen. Leider ist dies nicht geschehen.

Die Presse im Ausland, z.B. Deutschland, versucht auch die klassische Methode. Aber ihre Kritik an Trump stützt ihn noch mehr, als dass sie ihm schadet. Denn auf Kritik von außerhalb reagieren die Amerikaner besonders patriotisch. Gegen ihr großartiges Land lassen sie nichts kommen, irgendwie auch verständlich. Dazu kommt auch noch, dass unsere Berichterstattung über die USA wenig taugt. Zu viel Unkenntnis, Vorurteile, Überheblichkeit und Wunschdenken.

Würde es helfen, in Deutschland Trumps Verhalten einfach zu ignorieren? Vielleicht nicht ganz darauf zu verzichten, aber ihm zumindest keine Schlagzeilen mehr zu schenken? Ich denke, es wäre einen Versuch wert! Und dies gilt für alle anderen Populisten nah und fern auch.

 

 

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