OPA OTTO ERZÄHLT

Solange ich bei meinen Eltern in Linz gelebt habe, musste ich zwar nie hungern oder unangenehm frieren, aber es war kein Geld da für sonstige Dinge, die ein Jugendlicher gerne gehabt hätte, wie ein Fahrrad oder eine Gitarre. Also habe ich schon als Kind gelernt, durch eigene Arbeit Geld zu verdienen.

Ich habe dabei extrem verschiedene Berufe und Milieus kennengelernt. Nachhilfelehrer, Hilfskellner, Lebensmittelverkäufer, Geldbote, Arbeit am Bau und im Stahlwerk. Jeder neue Job, jede Aufgabe oder Dienstleistung waren eine neue Erfahrung. Ich habe dabei vor allem gelernt, welche Berufe ich später garantiert nicht mehr ausüben will und dass es sich lohnt, zu studieren. Aber für einige Wochen im Sommer und für entsprechende Bezahlung konnte man sie alle gut aushalten. Rückblickend war es eine gute Lebensschule und es kam auch genug Geld herein, um fast alle meine Wünsche zu befriedigen.

Bauruine Blaue Brücke in Tübingen
Keine Baustelle ohne Vermessungsingenieur

Schon über 20, als Student der Elektrotechnik, hat mir dann ein viel älterer Cousin angeboten, den Sommer im Linzer Vermessungsamt zu arbeiten und zwar im Außendienst als Vermessungshelfer zur Begleitung eines Vermessungsingenieurs. Er hieß so ähnlich wie Sonnler und er war ein hochinteressanter Mensch. Er ist leider schon vor vielen Jahren gestorben, habe ich erfahren.

Sonnler hat gemerkt, dass mich die Aufgaben des Vermessungsingenieurs sehr interessiert haben und sich die Zeit genommen, mir seine Arbeit zu erklären. Und tatsächlich konnte ich nach kurzer Zeit selbständig arbeiten, obwohl ich nur Vermessungshelfer war, also nur für Hilfsdienste eingestellt war. Hätte ich schon früher Kontakt zu diesem Berufszweig gehabt, ich hätte dann diese Sparte studiert.

Von außen betrachtet, kann man das Wesen von Berufen nicht erfahren, habe ich bei Sonnler gelernt. Man muss sie einige Zeit selbst ausüben, um alle Facetten zu verstehen. So war mir nicht klar, zu welchen Anlässen man überhaupt Vermessungsingenieure braucht. Es geht bei ihnen fast immer um viel Geld, weil Grundstücke nun mal kostbar sind.

Vermessungsingenieure sind z.B. bei der Vorbereitung von Bebauungsplänen für Hoch- und Tiefbau beteiligt und erstellen die Planunterlagen hierzu. Aber sie sind auch dabei, wenn Grundstücke geteilt oder zusammengelegt oder ihre Grenzen festgestellt werden. Letzteres war genau unsere Aufgabe, nach dem Bau von zwei Güterwegen im Osten von Linz (am Pfennigberg) und in einer kleinen Ortschaft im Mühlviertel.

Was mir sofort gut gefallen hat, das war das Arbeiten im Freien, in der Natur. Nun ist es nicht überall so schön, wie in den beiden Gegenden, wo wir uns aufgehalten haben, aber offenbar fasziniert die Natur und so hat es mich auch nicht verwundert, dass viele Geometer auch Jäger geworden sind. Alle die viel im Freien arbeiten, werden auch Out Door Experten, kennen die Gefahren in der Natur und sind auch entsprechend ausgerüstet.

Wo immer es um viel Geld geht, wird hart verhandelt und natürlich auch versucht zu bestechen. Bei uns geschah dies vor allem durch gutes Essen, zu dem wir eingeladen waren. Für mich, der ich immer hungrig war, paradiesische Zustände. Die Verhandlungen selbst fanden fast immer im Freien statt und Sonnler war schon darauf vorbereitet, worüber gestritten werden wird. Auch wer dabei ausrasten wird, wusste er im voraus, seine lange Erfahrung machte ihn zum Menschenkenner. Letzten Endes kam es aber immer zu einer Einigung, mit der alle leben konnten, er war eben auch ein guter Diplomat.

Wer Vermessungsingenieure nur bei der Arbeit sieht, bemerkt zwar ihr stets neuen, besten, sündteuren technischen Geräte, aber würde nie auf die Idee kommen, dass sie auch große Soft Skills haben müssen, wie man dies heute nennt, um erfolgreich arbeiten zu können.

Dieser eine Sommer als Vermessungshelfer hat mein Leben bereichert. Ich habe mich dann - wieder in Wien - über Forschungsarbeiten, wie die Photogrammetrie, informiert und war dann sehr erfreut, als vor einigen Jahren Google Earth entstanden ist.

Mich hat die Not dazu gebracht, in viele Berufe hineinzuschnuppern und sie von innen kennen zu lernen. So habe ich erfreulicherweise auch die Arbeit als Vermessungsingenieur kennen und schätzen gelernt.

Nun lese ich neuerdings, dass in Deutschland Vermessungsingenieure dringend gesucht werden und die Branche Nachwuchssorgen hat. Schade, es ist ein wirklich schöner Beruf für alle, die genau und verantwortungsvoll arbeiten können, wetterfest sind, sich gerne in der Natur aufhalten, die Freiheit schätzen und die neben moderner Technik und vielen Vorschriften auch gerne mit Menschen umgehen wollen.

 

 

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