OPA OTTO ERZÄHLT

Hallo ihr Lieben, heute will ich euch ein Märchen von einer alten und einer neuen Kneipe erzählen. Damit es nicht zu lange dauert, lasst uns nun schnell beginnen.


" Es war einmal eine Studentenkneipe, die war äußerst beliebt. Es durften alle hinein, nicht nur Studenten, man konnte sich sogar verkleiden, auch wenn nicht Fasching war. Auf den Wänden waren viele Fotos mit Gesichtern von Menschen, die man zum Teil kannte oder die man vielleicht kennen lernen wollte. Man konnte überall Zettel mit seinen eigenen Sprüchen anbringen und es hat großen Spass gemacht, über alles zu diskutieren.

Der Wirt hieß Markus und es war ein pfiffiger, junger Mann. Er hat so gebaut, dass man leicht erweitern konnte und weil die Menschen gerne zu ihm kamen, wurde seine Kneipe auch immer größer.

Am Anfang hat das auch allen grossen Spass gemacht, denn mit jedem, der dazu kam, wurde es immer gemütlicher und so war es nicht ungewöhnlich, dass manche Menschen, besonders Jugendliche, den ganzen Tag in seiner Kneipe verbracht haben. Es wurden Spielautomaten aufgestellt, die man zum Teil gratis, zum Teil aber auch mit Bezahlung benutzen durfte und alle waren scheinbar gute Freunde.

Enten mit Nummern

Und die Kneipe wuchs und wuchs. Das war nicht nur ein Vorteil, denn alles wurde etwas anonymer und es wurden nun auch viele böse Menschen angelockt, vor denen man sich in Acht nehmen musste. Auch das Reinigen war nicht mehr so sorgfältig wie früher, aber die Leute hatten sich so an alles gewöhnt, dass dies gar nicht so auffiel.

Irgendwann hat jemand die Frage gestellt, wovon denn der Markus eigentlich lebt, wenn doch das meiste in seiner Kneipe gratis war und es kam der böse Verdacht auf, dass der Markus die Gespräche in seiner Kneipe abhört und dann dieses Wissen für viel Geld weiter verkauft.

Na ja, eigentlich war dies ja auch in Ordnung, fanden die meisten. Aber einige, die deshalb die Kneipe verlassen wollten, haben festgestellt, dass es bald sehr schwierig war, den Ausgang zu finden, denn der Markus hat ihn immer mehr versteckt und sie haben sehr schlecht über Markus geredet.

Unter dem Strich aber waren die meisten zufrieden, auch wenn sie oft gemeckert haben. Für die ganz Jungen war ein toller Platz, man konnte dort so viele neue Leute kennen lernen, ohne auch nur einen einzigen Schritt an einen anderen Ort zu gehen. Den älteren war es manchmal zu laut und manche haben doch hinterfragt, welche Vorteile sie beim Besuch eigentlich haben.

Sehr ärgerlich war, dass Markus oft die Spielregeln verändert hat. Das hat große Unsicherheit gebracht und er hat dafür manches böse Wort einstecken müssen.


Ganz in der Nähe von Markus Riesenkneipe war ein großes Kaufhaus, es hieß "Zum Gockel", weil der Besitzer auch Gockel hieß, ein lustiger Name, nicht wahr?  Im Gockel gab es alles zu finden, was sich das Herz gewünscht hat und es war auch sehr gut besucht.

Aber Gockel fiel auf, dass doch einige Kunden wegbleiben, weil sie lieber beim Markus was eingetauscht haben, als es bei ihm zu kaufen und da er ein reicher Mann war, beschloss er, auch eine Kneipe aufzumachen, nennen wir sie die Neue Kneipe, im Gegensatz zur alten Kneipe vom Markus.

Gockel wollte es richtig machen und alles was die Menschen beim Markus gestört haben vermeiden. Alles war jetzt sauber, er hat auch versucht Regeln einzuführen, dass die bösen Menschen, Rüpel, Tratschsüchtige und andere lästigen Typen nicht so leicht zu ihm kommen konnten und er hat auch reichlich Werbung für seine Neue Kneipe gemacht.

Und tatsächlich haben viele Menschen auch mal in seine Neue Kneipe reingeguckt und sie auch bewundert, aber da es nichts wirklich außergewöhnliches darin gab, ist keiner sitzen geblieben und jeder der reingeschaut hat, hat gesagt: "Alles sehr nett und sehr schön hier, aber es ist keiner da, den ich kenne!"

Und so sind sie wieder zurück zu Markus, denn dort haben sie sich zwar über vieles geärgert, aber es war immer voll und gemütlich und das war wichtiger als alles andere."


So nun liebe Leser, jetzt mache ich eine kleine Pause, aber bald geht es weiter und da ihr so lieb seid, gibt es gleich zwei verschiedene Fortsetzungen und ihr könnt euch aussuchen, welche ihr hören wollt.

Jetzt kommt die erste Variante der Fortsetzung, also hört gut zu:


" Gockel, der Kaufmann, war etwas enttäuscht. Aber er war ein erfahrener Mann und hat gewusst, über Nacht kann der Erfolg nicht kommen. Also hat er seine neue Kneipe etwas umgebaut, zusätzlich zum großen Raum gab es nun auch viele Extrazimmer, wo man sich in Ruhe und ungestört unterhalten konnte, er hat Gratis-Videotelefonieren angeboten, Plätze für Leute geschaffen, die in der Kneipe ihre Arbeit erledigen wollten, kurz für etwas seriösere Leute, die nicht nur Spielen, Saufen, Grölen und Anbaggern wollten.

Aber jeder, der erneut Versuche gemacht hat, bei Gockels Neuer Kneipe hinein zuschauen, hat gesagt: "Da ist ja keiner da, den ich kenne, da gehe ich wieder!"

Und so wurde Gockels Kneipe bald wieder geschlossen und die Leute gingen entweder zum Markus, wo es so gemütlich war und jene, die es beim Markus überhaupt nicht mehr ausgehalten haben, kamen zu der Erkenntnis: Kneipen sind eben nichts für mich."


Liebe Leser, das war kein schönes Ende, nicht wahr, aber ich habe auch noch eine andere Fassung, soll ich euch die erzählen? Soll ich? Wirklich? Also hört gut zu!


"Als die Leute sahen, dass vieles, was sie beim Markus gestört hat, beim Gockel eigentlich besser war, haben sie dies Markus erzählt und der war nicht faul und hat seine Kneipe kräftig renoviert. Das hat allen gefallen, denn vieles hat sie doch beim Markus sehr geärgert und sie haben festgestellt, dass es für sie sehr gut war, dass Markus jetzt Konkurrenz bekommen hat, denn ohne Gockels Neuer Kneipe wäre das alles nicht passiert.

Das hat die Menschen nachdenklich werden lassen und sie haben sich gesagt, wie können wir dafür sorgen, dass auch die Gockel Kneipe lebendiger wird und wir auch in Zukunft eine Auswahl haben?

Die Lösung war schnell gefunden: Zum Zeit totschlagen, zum Saufen und Anbaggern zum Markus, fürs Diskutieren, für Vereinstreffen, für die Politik, für Vertrauliches oder fürs Familienfest zum Gockel! Und jeder hat beim Gockel ein zweites Account eröffnet, was sehr einfach war und dort auch gelegentlich reingeschaut.

Und siehe da, so wurde der Gockel bald voll genug, dass die Menschen nicht mehr sagen mussten "da ist ja keiner", aber nicht so voll, dass die Lautstärke sie gestört hätte. Besonders ältere Menschen gingen gerne zum Gockel, da hat man immer was interessantes erfahren und nicht nur Tratsch gehört, auch Verliebte und Geschäftsleute haben sich lieber beim Gockel getroffen. Und endlich konnte man auch Kinder in die Kneipe mitnehmen, ohne dabei Bedenken zu haben!

Der große Vorteil beim Gockel, war, dass es viel weniger böse Menschen gab, man deshalb auch weniger aufpassen musste und man den Eindruck hatte, dort wird die Zeit wirklich genützt und nicht nur totgeschlagen.

Herr Gockel war mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Der Besuch hat für ihn gereicht. Die Menge allein macht es nicht, sondern es ist auch die Qualität wichtig. Und dies alles ist nur geschehen, weil kluge Menschen sich auch beim Gockel angemeldet haben. Ist ja eigentlich klar, wo man schon jemanden kennt, dort geht man auch leichter hin! Und die Aktivität entsteht von selbst, man muss nur etwas abwarten.

Und wenn der Herr Gockel nicht gestorben ist, so lebt er auch heute noch!

 

 

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