OPA OTTO ERZÄHLT

Kultur ist im Wesentlichen "bewährte Erfahrung". Es ist Wissen, das sich unter den Menschen eines Kulturkreises ausbreitet, von ihnen bewahrt, aber auch immer wieder modifiziert wird. Früher zählte man nur Lesen, Schreiben und elementares Rechnen dazu, inzwischen wurde der Begriff erweitert, z.B. um Medienkompetenz.

Hier will ich einige weitere Begriffe einführen, die meiner Meinung nach ebenfalls zu den wichtigen Kulturtechniken gehören. Wie alle anderen Techniken kann man sie lehren und erlernen.

  1. Das Kopieren (inkl. cut 'n' paste)

  2. Mit dem Geldbeutel abstimmen

  3. Kollektives Gestalten

  4. Das Abstrahieren

  5. Das Reisen

  6. Das Spielen


Das Kopieren

Eines der häufigsten Erfolgsrezepte ist das Kopieren von erfolgreichen Vorbildern. Es hat in allen Künsten seinen Platz, aber auch ein schlechtes Image. In unserer Zeit besonders, weil es durch den Computereinsatz so leicht wurde und auch weil es mit den Suchmaschinen so leicht zu entdecken ist.

Cut and Paste nennt man diese Kulturtechnik, manchmal auch Google, Copy and Paste. Man sucht Texte oder Bilder, schneidet diese aus und fügt sie zu einem neuen Werk zusammen.

Lehrer hassen diese Methode bei ihren Schülern, weil sie sie gefährlich für ihre Entwicklung halten. Ich habe deshalb viel mit einigen bekannten Lehrern darüber diskutiert, und ehrlich gesagt, wurde ich nicht von der Gefahr überzeugt. Sicherlich aber stimmt, dass es nicht in das existierende deutsche Bildungssystem passt.

Kopieren wird dort zu Recht verhindert und verfolgt, wo es den Wert einer Ware schädigt, wie bei Markenartikeln oder sogar vernichtet, wie beim Falschgeld.

Ich denke aber, wenn eine Kulturtechnik so viele Vorteile hat, wie das Kopieren, dann wäre es klüger sie auszubauen und so zu lenken, dass sie auch eingesetzt werden kann!


Mit dem Geldbeutel abstimmen

Die Macht von Konsumenten ist in unserem Wirtschaftssystem groß. Wer kauft, belohnt und fördert, wer nicht bezahlt löscht aus. Mit dem Geldbeutel wird also mit gesteuert, was überlebt und bleibt oder was nicht erfolgreich ist.

Wer immer nur spart oder nur auf den Preis schaut, wird nicht zum Kulturreichtum beitragen können. Besonders alle Entscheidungen, die wir häufig und regelmäßig treffen, beeinflussen in großem Maß unsere Lebensqualität, aber auch unsere Kultur.

Wir sollten es uns daher zur Gewohnheit machen, mit unserem Geld dazu beitragen, was für fördern wollen und wo immer möglich rein ökonomische Interessen sekundär sein lassen.

Natürlich gilt dies nicht nur für das Kaufen, sondern auch für das Spenden. Es macht unsere Welt reicher, besser und vielfältiger, wenn wir gute Entwicklungen in ihren Anfangsphasen damit unterstützen.

Man kann schon Kinder auf diesen Umstand aufmerksam machen. Ich habe dies im Zusammenhang mit Software gemacht und nützliche Produkte regelmäßig gekauft, auch wenn es andere Wege gab, sie zu benutzen.

Umgekehrtes gilt natürlich für das Bestrafen. Wer mich mehr als einmal unfair behandelt hat, abgezockt, belogen oder mit schlechten Produkten enttäuscht hat, der wird es schwer haben, erneut mein Vertrauen zu gewinnen! Es schadet nicht, den Kindern zu erklären, wenn man dies ganz bewusst tut.


Kollektives Gestalten

Die Technik ist alt, aber hat durch die modernen Kommunikationsmedien einen grandiosen, unvorhersehbaren Aufschwung bekommen. Man denke nur an Wikipedia oder YouTube oder andere Web 2.0 Produkte, wo viele Menschen zu einer Sache oder einem Produkt beitragen.

Folgende Faktoren haben sich als hilfreich erwiesen

  1. Viele Menschen tragen dazu bei (große Zahl)
  2. Viele verschiedenen Meinungen (Diversity)
  3. Feedback, Korrektur und Verbesserungsmöglichkeiten sind möglich
  4. Einfache und klare Spielregeln und Strukturen (Governance)
  5. Moderation durch Experten
  6. Einbeziehung, alter, erfahrener Menschen

Die ersten Punkte sind leicht einzusehen, die zweite Hälfte aber bedarf der Erklärung. Auch große und diverse Gruppen können für komplexe Probleme falsche, ja sogar fatale Entscheidungen treffen. Es sind daher immer auch Experten nötig, soll ein kollektiv gestaltetes Produkt gelingen. Zumindest kann man sich dadurch viel Lehrgeld und Frustration ersparen.

Nicht nur weil ich selbst dazu gehöre, erachte ich die Einbeziehung alter, erfahrener Menschen für sehr wichtig. Sie haben in einem langen Leben viel gesehen und erlebt und können so besser Distanz und übersicht zu schwierigen Fragestellungen gewinnen. Es fällt ihnen leichter zu unterscheiden, was wichtig oder unwichtig ist und sie haben vielleicht auch mehr Zeit notwendige Dokumentationen vorzunehmen und klare Formulierungen zu finden.

Die Gefahr, dass diese Altersgruppe dann zu vorsichtig, zu risikoscheu oder zu konserativ wird, mit einem Wort jede Entwicklung bremst, ist in einer gut kommunizierenden Struktur in der Praxis eher gering. Im Gegenteil, bei manchen Gruppen, in denen ich selbst mitgewirkt habe, waren die Bremser junge Ideologen, mit großer Untoleranz und ausgeprägter Dummheit.

So wie ich alten Menschen empfehle, bei kritischen, großen Entscheidung ihre Kinder mit einzubeziehen, so ist es vielleicht auch für junge  Menschen eine gute Regel, bei großen Entscheidungen die Eltern oder Großeltern zu befragen und zumindest ihre Meinung zu hören.


Das Abstrahieren

Unter Abstrahieren versteht man das Weglassen von Einzelheiten und das Überführens auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres. Es ist eine Fähigkeit, die angeblich nur wir Menschen haben. Wie man sieht, formuliere ich das sehr vorsichtig, denn wir wissen nicht wirklich viel über das Tierreich.

Aber auch unter den Menschen ist die Fähigkeit zu abstrahieren nicht sehr verbreitet. Ich erinnere mich an einige Programmierkurse, die ich für Umschulungen gegeben habe. Das Programmieren hatte viele überfordert und die Umschulungen mussten deshalb abgebrochen werden.

Abstrahieren lernt man leicht z.B. durch ein Mathematikstudium. Aber dieser Weg ist nur für wenige gehbar. Und so habe ich mich bei der Kindererziehung oft gefragt, wie man Kindern die Technik der Abstraktion beibringen kann und ich bin auf eine ganz einfache Methode gestoßen: Das Zusammenfassen in kurzer Form.

Wenn z.B. Kinder etwas erzählen, dann kann man am Ende der langen Story versuchen, in wenigen Sätzen sie zusammenzufassen. Nickt dann das Kind dazu, so lässt man es die Zusammenfassung wiederholen. Oft geschieht dies ohnehin ganz automatisch und ohne Aufforderung.

Auch beim Zeichnen passiert das Abstrahieren fast automatisch. Hier ist der Zwang zum Kürzen schon duch die dadurch eingesparte Arbeit gegeben. Sogenannte Spiekzettel zu schreiben fördert das Abstrahieren. Hier muss man ebenfalls auf kleinem Raum viel Wissen unterbringen und man überlegt dabei, was wirklich wichtig ist

Das Suchen nach Gemeinsamkeiten und nach Oberbegriffen übt das Abstrahieren. Letztendlich ist das Ziel, Prinzipien formulieren zu können und sie auch korrekt anzuwenden. Dies muss immer wieder aufs Neue gelernt, geübt und getestet werden.


Das Reisen

Ich habe dazu viel in meinen Reiseberichten geschrieben, was ich hier nicht wiederholen will. Auch in der Praxilogie gibt es ein Kapitel dazu. Hier will ich nur einen Gedanken aufgreifen und das ist das Reisen der Großeltern mit Enkeln oder auch das Reisen der Kinder mit den Eltern.

Gestaltet man es so, dass beide Generation ihr bestes dabei einbringen, die Alten die Erfahrung, die Jungen ihre Kraft und Neugier, dann ist das Reisen eine der besten Lebensschulen, die man sich denken kann.

Und definitiv ist es eine Kulturtechnik, die nahezu universell und ein Leben lang anwendbar ist.


Das Spielen

Eine Kulturtechnik, die die Menschen gesichert auch mit den höheren Tieren teilen, um in gefahrloser Umgebung ihre Fähigkeiten zu trainieren. Mehr dazu auf der Seite Spielen!

 

 

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